Bis zu 45 % der Demenzfälle hängen mit 14 Faktoren zusammen, die sich beeinflussen lassen. Dazu ein Podcastgespräch mit Aeon-Arzt Dr. Manuel Puntschuh.

In Folge 013 von «die gesunde unterhaltung» spricht Moderator Tom knapp drei Stunden mit Dr. Manuel Puntschuh, dem Chief Medical Officer von Aeon. Es geht um Herz, Stoffwechsel und Demenz, also auch um die Frage, wie wir alt werden wollen. Du findest die Folge bei Apple Podcasts und auf Spotify.

Dieser Artikel gibt dir vorab einen Überblick: Was sagt die Forschung zu den Risikofaktoren für Demenz, und wie hängen Herz, Stoffwechsel und Gehirn zusammen? Wenn du die Folge schon gehört hast, ordnet der Hintergrundartikel zur Folge die Inhalte und legt die Studien daneben.

Worum es in der Folge geht

Drei Themen tragen das Gespräch:

  • Herz und Gefässe. Warum ein Herzinfarkt das späte Ereignis eines Prozesses ist, der Jahrzehnte früher beginnt.
  • Stoffwechsel. Was Insulinresistenz ist und warum sie lange unbemerkt bleiben kann.
  • Demenz. Wie Gefässe und Stoffwechsel mit dem Gehirn zusammenhängen könnten.

Dr. Manuel Puntschuh ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und hat früher als Oberarzt auf einer Notfallstation gearbeitet. Heute ist er Chief Medical Officer von Aeon. Das gehört zur Einordnung dazu: Er spricht als Arzt und zugleich als Teil unseres Teams.

Die Folge ist ein Gespräch und keine Studie. Dabei geht es auch um Krebsfrüherkennung, Hormontherapie und Medikamente. Diese Themen ordnen wir hier nicht ein, denn es geht dabei um Behandlungsentscheide, die in ein ärztliches Gespräch gehören.

Demenz-Risikofaktoren: Was die Forschung sagt

Wenn jemand in der Familie an Demenz erkrankt, taucht irgendwann dieselbe Frage auf: Und wie ist das bei mir? In der Schweiz leben laut Alzheimer Schweiz derzeit rund 166’300 Menschen mit Demenz. Die Frage ist also keine Randfrage.

Eine Antwort kommt aus der Forschung. Die Lancet-Kommission zur Demenz nennt in ihrem Bericht von 2024 (Livingston et al.) 14 Faktoren, die sich im Lauf des Lebens beeinflussen lassen. Die Rechnung dahinter: Bis zu 45 % der Demenzfälle könnten sich vermeiden oder hinauszögern lassen, wenn alle 14 wegfielen.

Das ist eine Rechengrösse für die Bevölkerung, keine Prognose für dich. Die Zahl zeigt aber, wie gross der Spielraum insgesamt ist.

Der Spielraum laut Lancet-Kommission

Rechnerischer Anteil, keine Prognose für eine einzelne Person.

bis zu 45 % der Demenzfälle könnten sich rechnerisch vermeiden oder hinauszögern lassen, wenn alle 14 Faktoren wegfielen. Anteil, der mit den 14 Faktoren zusammenhängt Übrige Fälle
Schematische Darstellung der Schätzung von Livingston et al. (2024), keine Patientendaten.

Die Faktoren reichen von weniger Schulbildung über Hörverlust und Rauchen bis zu unbehandeltem Sehverlust im Alter. Mehrere davon betreffen Gefässe und Stoffwechsel, die auch beim Herz eine Rolle spielen: Bluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Übergewicht, Bewegungsmangel und Diabetes.

Was das mit Herz und Stoffwechsel zu tun hat

Hinter diesen Faktoren stehen oft Prozesse, die sehr früh beginnen. Eine US-Autopsiestudie (Strong et al., 1999) fand schon bei 15- bis 19-Jährigen Veränderungen in der Gefässwand. Das heisst nicht, dass in diesem Alter ein Herzproblem besteht. Es zeigt, dass der Prozess lange vor möglichen Beschwerden anfängt.

Auch im Zucker- und Insulinstoffwechsel verändert sich einiges leise. In der britischen Whitehall-II-Kohorte (Tabák et al., 2009) veränderten sich Blutzucker, Insulinempfindlichkeit und Insulinbildung schon bis zu sechs Jahre vor der Diagnose Typ-2-Diabetes. Diabetes gehört zu den 14 Faktoren der Lancet-Kommission, und eine Übersichtsarbeit in Nature Reviews Neurology (Arnold et al., 2018) beschreibt, dass sich Typ-2-Diabetes und Alzheimer in Risikofaktoren, Begleiterkrankungen und möglichen Mechanismen überlappen.

Gefässe, Stoffwechsel und Gehirn teilen viele Risikofaktoren.

Ob der Stoffwechsel Demenz mitverursacht oder nur parallel läuft, ist in Teilen noch offen. Wie weit die Belege reichen, schauen wir im Hintergrundartikel genauer an.

Was du daraus mitnehmen kannst

Die Studien beschreiben Risikofaktoren, keine Rezepte. Trotzdem lassen sich daraus drei Fragen ableiten, die du in der Hausarztpraxis stellen kannst:

  • Wie sind mein Blutdruck und mein Cholesterin? Beides gehört zu den 14 Faktoren der Lancet-Kommission. Lass beides messen, auch wenn du dich gut fühlst.
  • Wie steht es um meinen Blutzucker? Frag nach Nüchternblutzucker und HbA1c. Für Nüchternwerte kommst du mehrere Stunden ohne Essen zur Blutentnahme. Die Praxis sagt dir, wie lange genau.
  • Wie entwickeln sich meine Werte über die Jahre? Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme. Aussagekräftiger ist der Verlauf.

Mehr zu messen ist dabei nicht automatisch besser. Sinnvoll ist, was etwas bedeutet und worauf du reagieren kannst.

Fazit

Demenz lässt sich nicht vorhersagen und nicht garantiert vermeiden. Ein Teil der Risikofaktoren liegt aber in Bereichen, die sich messen und besprechen lassen: Blutdruck, Blutfette, Gewicht, Blutzucker. Du musst nicht alles perfekt machen. Zu wissen, wo du stehst, reicht für den Anfang. Und wenn du dir dazu ein Gespräch mit einem Arzt anhören willst, ist Folge 013 ein guter Einstieg.

Folge anhören Dauer: 2 Std. 53 Min. Auch auf Spotify.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Folge 013 genau?

Um Herz und Gefässe, Stoffwechsel und Demenz im Verlauf des Lebens. Das Gespräch streift weitere Themen wie Krebsfrüherkennung, Hormontherapie und Medikamente. Diese ordnen wir hier nicht ein, weil sie Behandlungsentscheide betreffen, die in ein ärztliches Gespräch gehören.

Wer ist Dr. Manuel Puntschuh?

Er ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, war früher Oberarzt auf einer Notfallstation und ist heute Chief Medical Officer von Aeon. Seine Rolle bei Aeon ist Teil der Einordnung: Die Folge ist kein unabhängiges Urteil von aussen.

Was bedeuten die 45 % genau?

Die Lancet-Kommission hat berechnet, welcher Anteil der Demenzfälle mit den 14 Faktoren zusammenhängt. Fielen alle Faktoren weg, liessen sich rechnerisch bis zu 45 % der Fälle vermeiden oder hinauszögern. Das gilt für die Bevölkerung, nicht für eine einzelne Person.

Heisst das, ich kann Demenz vermeiden?

Nein. Die Zahl beschreibt einen Zusammenhang in der Bevölkerung. Die Zahl sagt nicht, dass du mit einem gesunden Lebensstil keine Demenz bekommst, und auch nicht, dass du mit einem dieser Faktoren eine bekommst.

Ersetzt die Folge ein Gespräch mit meiner Hausärztin oder meinem Hausarzt?

Nein. Eine Podcastfolge und ein Blogartikel ordnen Wissen ein. Beides stellt keine Diagnose und gibt keine Behandlungsempfehlung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Quellen